Unterentwickelt

Nina Schedlmayer, 22.08.16

Es ist jetzt an der Zeit, einmal ein paar Takte in eigener Sache zu reden. Denn langsam beschleicht mich das Gefühl, dass in der Kunstszene ein etwas unterentwickeltes Verständnis von Journalismus vorherrscht.

Da wäre etwa jener Museumsdirektor, der ein von ihm gegebenes Interview – das zur Autorisierung geschickt worden war – in stinklangweiliges PR-Gedöns umschrieb und sich fürchterlich aufregte, als man sich sträubte, es auf diese Weise zu publizieren. Da wären, immer wieder, diverse andere Leute, die Artikel vor Drucklegung „zur Kontrolle“ geschickt haben wollen – und einfach nicht verstehen, warum man sich dagegen verwehrt. Und nicht zuletzt jene Galeristinnen, die sich schon über das Ansinnen, einen ebenso unverfänglichen wie kurzen Bericht über Krach im Galerienverband zu verfassen, furchtbar aufregten, mit dem Anwalt drohten und schließlich über alle nur möglichen Kanäle versuchten, dessen Erscheinen zu verhindern. Glücklicherweise erfolglos.

Nun erwies sich auch die einstige Kulturstadträtin Wiens, Ursula Pasterk, als nicht wirklich verständig gegenüber dem, was Journalisten sollen und dürfen.
Es ging um die Berichterstattung über Agnes Husslein und das Belvedere. Dazu recherchierte die Kollegin vom „Standard“, Olga Kronsteiner, intensiv und hartnäckig. Sie ging vielen Ungereimtheiten nach, fand Dinge heraus, die man nicht als unerheblich abtun kann, kurz: lieferte Top-Journalimus. Doch im „Trend“ klagte die Ex-Stadträtin, dass „Investigation mit Denunziation“ verwechselt worden wäre. Schlampereien oder Fehler konnte sie der Redakteurin zwar nicht nachweisen. Dafür mokierte sie sich über deren Facebook-Einträge, die sie offenbar als „Vorverurteilung“ betrachtete. Der Zusammenhang mit dem Vorwurf der schleissigen Recherche wurde freilich nicht recht klar. Vielleicht sollte bloß jemand Frau Pasterk die Unterschiede zwischen einem Posting auf einem – ja eigentlich privaten – Facebook-Profil und einem redaktionellen Kommentar in einer Tageszeitung erklären. Und all den anderen irgendwer die Prinzipien der Pressefreiheit in westlichen Demokratien.

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2 Postings in diesem Forum  versenden Ihre Meinung

Hallo Herr Rodlauer!
Horst Gerersdorfer | 22.08.2016 16:08 | antworten
Den Den kurzen Bericht über Krach im Galerienverband hätte ich gerne gelesen
Nachholbedarf bei beiden Seiten
Horst Beckmann | 22.08.2016 19:15 | antworten
Hallo zusammen,
grundsätzlich möchte ich den Beobachtungen zum "Autorisierungwahn" zustimmen.
Es geht nicht an das ein offizielles Statement eines Verantwortungsträgers in
einem Interview hinterher zurückgezogen oder komplett verbogen wird.
Marketingsprech hat seinen Platz woanders als in solchen Interviews.
Ebenso ist es wichtig hinter den Kulissen zu recherchieren.
Allerdings habe ich auch schon häufig Lokaljournalisten erlebt die irgendwie
an einen internen Vorgang gelangt sind und dann ohne sich tatsächlich über die
Umstände und Zusammenhänge zu informieren und ohne der betroffenem
Institution überhaupt eine Mölichkeit der Stellungnahme einzuräumen
in ihren Artikeln als RichterInnen aufspielen. Und das ohne einen Gedanken
daran zu verschwenden was das für die betreffende Institution und ihte Arbeit
bedeutet, zum Teil sogar ohne die Arbeit der Institution zu kennen.
Gegenseitiger Respekt und eine Grundübereinkunft, dass die Arveit
des Anderen wichtig für unsere Gesellschaft ist sollten sich also beide
Seiten zukünftig auf die Fahnen schreiben.

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