Rebrutalisierungsprozesse

Rainer Metzger, 13.07.16

Die Frau Husslein. Jetzt haben sie und ihre Causa es auch ins deutsche Großfeuilleton gebracht. Compliance nennt sich das Problem mittlerweile, zu dem die Direktorin des Wiener Belvedere kein rechtes Verhältnis aufzubringen weiß. Als sie noch Direktorin des Salzburger Rupertinum war, vor mehr als zehn Jahren, war das keinen Deut anders. Der Unterschied zwischen Mitarbeiterschaft, Personal und Untergebenentum ist von einer bestimmten Warte aus von jeher marginal. Anselm Wagner hat das im Herbst 2004 unter dem Begriff „Refeudalisierungsprozesse“ zusammengefasst. Ich hatte mir damals erlaubt, das hier zu kommentieren.

Jetzt, wo das Gebaren der Frau Husslein auf die Verweigerung von Gegenliebe stößt, erinnert man sich auch des Fahrscheins, mit dem sie ihren Fahrstuhl in die Höhen des österreichischen Kunstbetriebs erwischte. Die Frau Lindner von der ÖVP und die Frau Husslein von der FPÖ waren dabei womöglich gegengerechnet worden, es war in der Agonie von Schwarz-Blau, aber das ist in der Tat schon lange her. Dass sie mit dem Kärntner Kulturreferenten, er amtierte auch als Landeshauptmann, gekonnt hatte, war noch vorher offenbar geworden, als sie mit ihm im Sommer 2003 das Klagenfurter Museum Moderner Kunst eröffnete. Als Coup stellten die beiden eine Schau mit Heimo Zobernig, dem Sohn des Landes, in den Raum. Der hatte zwar, wie es sich nichts anderes als gehört, abgesagt, aber ein wenig Lügen hat in der Politik noch nie geschadet. Ich hatte mir damals erlaubt, das hier zu kommentieren.

Ein Jahrzehnt später sollte derlei Verhalten der Frau Husslein tatsächlich zum Schaden gereichen? So, als hätten sich die Zeiten fast gebessert? Sagen wir es so: Statt einer Refeudalisierung rankt sich um die Frau Husslein nun eine Rebrutalisierung. Verhältnisse fast wie in England während der Brexit-Debatte. Da wird die Frau Husslein von einem Mitarbeiter der Wiener Kunstszene angeflegelt, dass es zum Fremdschämen ist – und das immerhin in der „Presse“, die immer so seriös tut. Und da kontert die Galerie MeyerKainer, die ihrerseits immer so seriös tut, mit einer Aussendung, die alle, die eine Solidaritätsunterschrift für die Frau Husslein verweigern, unter „vorgestrige und hoffnungsfrohe Besserwisser, Skeptiker und Kunstfeinde“ einordnet.

Die Sitten waren noch nie gut im Kunstbetrieb. Schließlich hat man ja, man kennt das aus anderen Bereichen, in denen es um Glaubensfragen geht, eine Mission. Wie es aussieht, werden die Umgangsformen unverdrossen noch rauer. Den Beleg dafür liefert gerade die Causa Husslein. Auf die Refeudalisierung folgt die Rebrutalisierung. Man hätte es sich denken können. Gerade in diesem Fall.

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