Manfred Deix 1949 – 2016

Werner Rodlauer, 27.06.16

Eigentlich schien er der Prototyp des Unverwüstlichen zu sein. Genau so wie sich seine Figuren in ihrer liebevoll gemeinten Hässlichkeit in den vielen Jahren seiner Chronik des Österreichischen kaum veränderten, schien auch Manfred Deix nicht älter zu werden. Vielleicht lag es aber auch daran, dass sich so etwas wie eine „Altersmilde“ bei ihm nie einstellte.

Manfred Deix setzte dem heimischen Katholizismus und der Bigotterie hierzulande einen Spiegel vor und gleichzeitig ein Denkmal, das weithin verehrt wurde – nicht zuletzt im Karikaturmuseum Krems, mit dem ihm der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll ein Mausoleum zu Lebzeiten einrichtete. In seiner unverwechselbaren Mischung aus Ordinärem und Hassliebe, schaffte es Deix, dass die, die er in seinen Zeichnungen meinte, sich nie wirklich gemeint fühlten – die Karikatur als gezeichnetes Florianiprinzip in dem das viel zu kleine Zumpferl immer dem Nachbarn gehört und die Schadenfreude die Selbsterkenntnis ersetzt.

Anders als die Neue Frankfurter Schule in Deutschland, deren Protagonisten – geschult an Horkheimer und Adorno – kritisch analytisch die gesellschaftlichen Probleme sezierten, verstand es Deix immer, so weit volkstümlich zu bleiben, dass auch die Schenkelklopfer und Rassisten, die er bloßstellte, seine Bücher kauften oder das Museum besuchten. Diese allgemeine Akzeptanz war vielleicht Deix’ größter Verdienst – und vielleicht auch sein größter Fehler.
Noch 2015 hatte er im letzten großen Interview der Stadtzeitung Falter gemeint, dass sich die Österreicher vielleicht ein bisschen schöner anziehen als vor 40 Jahren, aber das wäre auch schon alles, was er an Veränderung bemerkt habe. Manfred Deix hat sich immer als Teil der von ihm kritisierten Gesellschaft empfunden und vieles mitgemacht, über das andere SatirekollegInnen die Nase gerümpft hätten. Dafür hat er es als einziger geschafft, dem Karl Moik im Musikantenstadel vor laufender Kamera den Stinkefinger zu zeigen. Das wird Österreich fehlen.

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