So what?

Nina Schedlmayer, 04.04.16

Viel wurde in den letzten Tagen kritisiert an der Entscheidung, Brigitte Kowanz und Erwin Wurm zur Biennale Venedig zu schicken. Einiges davon zu Recht: Dass schon wieder keine Künstlerin den Pavillon im Alleingange bespielen darf. Oder dass eine Doppelpräsentation zweier derart disparater Positionen nicht gerade zielführend ist.

Nur: Warum will man bei der Präsentation des Biennale-Beitrags immer „überrascht“ werden? So wird beklagt, dass es sich bei den beiden KünstlerInnen ja doch um etablierte Positionen handle, dass die Entscheidung langweilig sei, dass man sich dem Experiment verschließe, dass Wurm und Kowanz ohnehin mit allerlei Auszeichnungen behängt seien und derlei längst nicht mehr notwendig hätten.

Lässt man einige der gelungensten Biennale-Pavillons der letzten Jahre Revue passieren, so finden sich darunter folgende Positionen: Jeremy Deller, Großbritannien, 2013. Sophie Calle, Frankreich, 2007. Sarah Lucas, Großbritannien, 2015. Isa Genzken, Deutschland, 2007. Berlinde de Bruyckere, Belgien, 2013. Elmgreen & Dragset, Dänemark und nordische Länder, 2009. Alles Künstler und Künstlerinnen, die zu jenem Zeitpunkt schon mit Preisen überschüttet, von Stargalerien vertreten und/oder großen Häusern präsentiert worden waren – also bereits damals zum bösen Establishment zählten. Aber: So what? Wie bei Wurm und Kowanz handelt es sich immerhin um Leute, die Erfahrung im Umgang mit anspruchsvollen Räumen besitzen und solche, deren Werk auch über die Grenzen des jeweiligen Landes nicht völlig unbekannt ist – angesichts der Tatsache, dass eben ein internationales und kein österreichisches Publikum die Biennale besucht, nicht unbedingt ein Nachteil. Ganz egal, ob man nun ein Fan von Wurm oder Kowanz ist und wie ihre Arbeiten dann tatsächlich aussehen: Ihre Kunst erschließt sich auch ohne langatmige Texte mit dutzenden Fußnoten. Auf der Biennale wird eben um Aufmerksamkeit gebuhlt, mehr als irgendwo anders. Ehrlich: Wer hat schon Zeit, zwei Wochen lang in Giardini, Arsenale und städtischen Pavillons intensiv über Katalogen zu meditieren? Kunst, die sich direkt mitteilt, an die das Publikum anzuknüpfen vermag, hat es in einem solchen Setting einfach leichter. Ob es einem passt oder nicht.

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