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Padhi Frieberger 1931-2016

„Hier arbeitet ein GENIE – und keiner merkts“ prangte es in einer Mischung aus Koketterie und Klage an Padhi Friebergers Ateliertüre und in der Tat handelte es sich bei ihm über Jahrzehnte um den bekanntesten Unbekannten der Wiener Szene. Frieberger, ausgebildet als Schirmmacher, betätigte sich neben seinem Künstlerdasein als Jazzmusiker, Literat, Friedens- und Umweltaktivist, als Modedesigner und all dies tat er mit einer Konsequenz und Authentizität, die ihresgleichen sucht.

Die Gütersloh-Klasse an der Akademie hatte er als Gasthörer der weiblichen Bekanntschaften wegen besucht. Es bewegte sich im Szenelokal der 50er Jahre „Strohkoffer“, hielt Kontakt zur Jazzerszene, zur Wiener Gruppe, wie zu den Aktionisten und schuf mit seinen eigenwilligen Kappenkreationen das Markenzeichen von Friedensreich Hundertwasser. Als1967 das legendäre Zockfest ausuferte, saß Frieberger auf der Bühne und untermalte das Chaos mit Trommeln auf einem Sessel und auch sonst schien der stets eigenwillig Gekleidete für so manche kuriose Auftritte gut. Künstler wollte er sein und Protagonist, alles nur nicht „Original“, wie er in einem filmischen Portrait einmal verriet, denn „Original is Oarsch“.

Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, weigerte sich der Künstler seine Artefakte der Öffentlichkeit mitsamt der Kritik oder gar einer Distribution des Marktes preiszugeben. Seine an spezielle Adressaten gerichteten Collagen versandte er lange bevor der Begriff „Mail-Art“ eingeführt wurde, fotografische Arbeiten erschienen bisweilen ohne Angaben ihres Autors. Doch nachdem 1981 erstmals eine Präsentation des Werkes in der Galerie Hummel stattfand, setzte Peter Weibel an, den „wahrscheinlich einzigen Außenseiter der Wiener Kunstszene“ zu rehabilitieren. „Er ist mehr eine ‚living sculpture‘ als es Gilbert & George es je waren. Er antizipiert nicht nur Behaviour Art , sondern auch Concept Art (‚living in your head‘)“. Mit seinem bereits in den 60er Jahren einsetzenden fotografischen Œuvre allerdings wäre Padhi Frieberger zum „ersten Künstlerfotograf Österreichs in Reinkultur“.

2001 sah man Werke der „Ein-Personen-Bewegung“, wie ihn der damalige Kurator der Ausstellung „Objekte.Skulptur in Österreich nach ‚45“ Thomas D. Trummer nannte, endlich in einem größeren Kontext. 2004 gab es unter dem Titel „with love & respect“ in Salzburg eine Präsentation der Fotografien gemeinsam mit Arbeiten von Christian Skrein und Marcel Houf. Peter Noever würdigte Frieberger schließlich 2007 mit einer ersten Einzelpräsentation im MAK, Hans-Peter Wipplinger gratulierte 2011 mit einer umfassenden Retrospektive samt Monografie zum 80. Geburtstag. Spät, aber nicht zu spät hat Padhi Frieberger die Anerkennung seines Lebenswerks doch noch erlebt. Wie heute über einen Nachruf im Standard bekannt wurde, ist Frieberger am 9. Jänner gestorben und wohl bereits beerdigt. Offizielle Reden hat sich der Künstler, der seine Haltung stets lebte, auch nach seinem Tod verbeten.

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