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Bücher 2013

Noch nie habe ich in meinen Texten so oft das Wort „Ich“ verwendet wie in diesem Jahr. Der Blog machts möglich, und im hemmungslosen Kreisen um die eigene Person darf eine Liste an Gelesenem nicht fehlen. Hier also meine Bücher 2013, schön aufgeteilt nach Ressorts.

Belletristik: Eugen Ruge, Cabo de Gata, Rowohlt
Natürlich geschrieben in der ersten Person, mit dem wunderbaren Satz als Entree: „Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.“ Diese Geschichte handelt von einer Schreibhemmung, davon wie man einen Bestseller hinter sich bringt, um sich an etwas Neuem zu versuchen. Vielleicht ist das Buch die Novelle zu Ruges eigenem Erfolg mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Vielleicht auch nicht. Se non é vero é ben trovato.

Politik: John Lanchester, Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückzahlt, Klett-Cotta
Eigentlich das Abfallprodukt bei Lanchesters Schlüsselroman „Capital“, der London als Kapitale des Kapitalismus ins Monumentalformat hob. Der Versuch wird gemacht, die Finanzkrise zu verstehen und dieses Verständnis weiterzutragen: Erklärungen zu den Pursuits of Happiness der Kleinen, den Zynismen der Mittleren und den Dummheiten der Großen. Eine spezielle Mahnung gibt es am Schluss: „Die größte Gefahr, die der europäischen Stabilität im 20. Jahrhundert erwuchs, war der Glaube der Deutschen an ihre besondere Bestimmung. Im 21. Jahrhundert liegt die größte Gefahr für die europäische Stabilität in dem Widerstreben der Deutschen, ihre besondere Bestimmung zu akzeptieren.“

Kulturgeschichte: Colin McEvedy, Städte der klassischen Welt, Klett-Cotta
Die Briten haben mit Edward Gibbons „The Decline and Fall of the Roman Empire“ die Kulturgeschichte erfunden, und das sieht man ihrer Arbeit immer noch an. Colin McEvedy ist ein Exzentriker von einschlägigem Format, der als Psychiater den Universalgelehrten gab und im Karto- und Demografieren sein Lebenselixir fand. 2005 ist er gestorben, posthum erschien nun seine Übersicht von 120 Städten der Antike, fünf im heutigen Deutschland, vier in Österreich gelegene inklusive. Alle Karten hat der Autor selbst gezeichnet, von spezieller Delikatesse seine Rekonstruktionen der Einwohnerzahlen.

Theorie: Kurt Flasch, Warum ich kein Christ bin, C.H. Beck
Profunder als die Bedeutung von Transgender oder Leninismus in der Gegenwart ist womöglich doch die Frage, wie man sich mit all den Anhaltendheiten, Sinnstiftungen und Generationenkonflikten ins Benehmen setzt, für die die historische und auch aktuelle Präsenz des Christentums sorgt. Kurt Flasch, Philosophiehistoriker speziell des Mittelalters, erklärt, warum er sich im Lauf seines langen Lebens dessen Angebote mehr und mehr versagt hat, nicht weil ihn Zölibat, Missbrauchsfälle oder Hierarchien abstießen, sondern weil er nachgedacht hat über die Ideen von Unsterblichkeit, Erlösung, Erbsünde, über Seele, Tod und Teufel.

Ausstellungskatalog: Mathildenhöhe Darmstadt, Georg Büchner, Hatje Cantz
Historischen Ausstellungen gebricht es im Gegensatz zu Kunstpräsentationen oft an der Attraktivität der Exponate. Das ist im Fall der Gedächtnisschau zu Georg Büchner, der 200 Jahre alt geworden wäre, nicht anders. So muss auch die Mathildenhöhe in Darmstadt auf die Glücksverheißungen eines voluminösen Katalogs zurückgreifen, und da bleibt in der Tat kein Auge trocken. Mehr als 600 Seiten für nicht einmal 24 Lebensjahre, so gibt es viel Platz für kluge Statements, erhellende Zitate, für einige Argumente und viele Assoziationen.

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