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Premiere beim Prix Ars Elctronica 2020

Auch der Prix Ars Electronica musste dieses Jahr erstmals ohne physisches Zusammentreten der Jury auskommen. Für den wichtigsten Preis für Kunst im Digitalen Raum ist das allerdings wohl ein verschmerzbarer Umstand. Die zweite Premiere dieses Jahr stellt die Vergabe des Preises an eine weitgehend anonyme Bürger*innen-Bewegung dar. Die Goldene Nica in der Kategorie “Digital Communities” geht nämlich an die Protestbewegung Hongkongs. Im Sommer 2019 beabsichtigte die Pekinger Zentralregierung die Einführung eines Gesetzes, das es künftighin möglich machen sollte, Hongkonger BürgerInnen unter bestimmten Umständen ausgeliefert zu bekommen. Ein Vorhaben, gegen das die Hongkonger*innen Sturm liefen, befürchteten sie doch, Peking könnte “kriminell” schlicht mit “politisch andersdenkend” gleichsetzen und schon bald Anklage und Auslieferung unbequemer Personen in die Wege leiten. Hunderttausende Menschen gingen auf die Straße und die Auseinandersetzungen zwischen Protestant*inen und der Polizei gingen um die Welt. Eine Schlüsselrolle in dieser Protestbewegung spielten bzw. spielen digitale Technologien. Binnen kurzer Zeit bildete sich eine “Digital Community”, die die DemonstrantInnen an vorderster Front unterstützte, Crowdsourcing-Kampagnen und Online-Petitionen organisierte, soziale Medien zur Faktenprüfung und Berichterstattung nutzte, Live-Streamings unterschiedlicher Events machte, Websites online stellte, Foren bespielte, Apps entwickelte und anderes mehr. Trotz – oder wegen – dieser unzähligen Aktivitäten, kam und kommt die Protestbewegung bis heute ohne jede zentrale Führung aus. Zur Abstimmung werden Plattformen wie LIHKG – eine lokale Lo-Fi-Version von Reddit, auf der BenutzerInnen kommunizieren und über Beiträge abstimmen können – oder AirDrop zum Austausch von Kampagnenbotschaften genutzt.

Die “Hong Kongers” haben ohne Zweifel neue Standards digitalen Aktionismus gesetzt. Die Lektionen daraus wollen gelernt werden und daran anknüpfend ein dringend benötigter Dialog angestoßen werden, wie die digitale Kultur unsere Praxis der BürgerInnenverantwortung jetzt und in Zukunft prägt. Die “Hong Kongers” und ihre “Be Water”-Philosophie werden mit der Goldenen Nica des Prix Ars Electronica ausgezeichnet.

Die weiteren Austeichnungen

Die Goldene Nica der Kategorie “Interactive Art +” wird der in Los Angeles lebenden und arbeitenden Künstlerin Lauren Lee McCarthy verliehen, der Hauptpreis der Kategorie “Computer Animation” geht an die ebenfalls in Los Angeles tätige Künstlerin Miwa Matreyek und für ihr künstlerisch-feministisches Lebenswerk wird VALIE EXPORT als “Visionary Pioneer of Feminist Media Art” mit einer Goldenen Nica geehrt. Über die Goldene Nica in der Kategorie “u19 – create your world” dürfen sich Lisa Rass, Franziska Gallé, Jona Lingitz und Anna Fachbach, allesamt Schülerinnen der HTBLVA-Graz Ortweinschule, freuen.

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Abbildung: Be Water by Hong Kongers / Dedicated to the Hong Kong protesters by Eric Siu & Joel Kwong

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