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Sonja Gangl - I borrowed optimism from the past: Who’s afraid of ...?

Mit ihren naturalistischen Zeichnungen hinterfragt Sonja Gangl nicht nur das Medium selbst, sondern auch die abgebildete Gegenwart. Als grundlegend für ihre Programmatik gilt dabei das Spielen mit anderen Medien, das Übertragen von Zeichnung in den Film, in die Malerei und wieder zurück. „Die Ausstellung I borrowed optimism from the past, im Künstlerhaus - Halle für Kunst und Medien, die im Nachklang des Würdigungspreises für Bildende Kunst des Landes Steiermark ausgerichtet wird, geht nun aber weg von naturalistischer Darstellung und präsentiert zum ersten Mal einen neuen Werkzyklus, in dem die Künstlerin den Schritt in die Abstraktion wagt.“, schildert Kuratorin Jana Franze. „Das, was man hier sieht, ist nicht nur Malerei, sondern sind abstrakte Strukturen, die etwas Spontanes implizieren, doch bei näherer Betrachtung die Kleinarbeit zum Vorschein bringt. Hinter den 15 großformatigen Bildern steht ein Konzept, das sich anlehnt an Formate und Künstler aus dem amerikanischen abstrakten Expressionismus, also an eine Zeit des Optimismus, an die Nachkriegszeit bis Ende der 1960er Jahre.“ Jedes einzelne Bild verweist auf eine kunsthistorische Position wie beispielsweise Robert Motherwell, Mark Rothko oder Franz Kline. Ihre Strukturen nennt Gangl „Supra-Linien“. „Diese gehen zurück auf Schraffuren, wie sie mit dem Bleistift in Vorarbeit anderer Werkserien entstehen“, erläutert die Künstlerin. Es sind demnach „Vorzeichnungen“ für andere Bilder, die sie dann größer dimensioniert und mittels Grafitpigment und Acryl auf Leinen überträgt.

Es stellt sich hier die Frage, wo Zeichnung aufhört und Malerei anfängt, und darüber hinaus auch jene nach Geschlechtergerechtigkeit, wenn Gangl im Gegensatz zu den in Schwarz und Weiß ausgeführten „Supra-Linien“ in Form von Farbnummern in der entsprechenden Farbe, gemalt in Acryl auf Leinen, explizit auf Künstlerinnen wie Lee Krasner verweist und deren herausragende (Schräg-)Stellung auch innerhalb der Kunstgeschichte unterstreicht.

Im Raum begegnet man inmitten von 48 Werken aus 5 Werkserien insbesondere Linien, wobei der Blick als solcher auch konsequent thematisiert wird. In „CAPTURES ON PAPER_eyes!“ (seit 2012) wird deutlich, dass Referenzsysteme für die Lesbarkeit von Gangls Werken unerlässlich scheinen. Die Auseinandersetzung mit Autorschaft spielt dabei eine wesentliche Rolle sowie die Kunstgeschichte im Allgemeinen, die sie für ein besseres Verständnis der Gegenwart heranzuziehen pflegt.

„Der Blick, dem man hier begegnet, vermittelt dem Titel entsprechend ebenso eine gesellschaftliche Botschaft – denken wir an früher etablierte Werte, die heute in Gefahr sind.“, erklärt die Kuratorin. „Es geht auch um Unterschiedlichkeit und die gemeine Stubenfliege, dem Hauptprotagonisten dieser Ausstellung. Die Arbeit ‚Flies & Trains‘ zeigt 96 Präparate von gemeinen Stubenfliegen vor Nachdrucken von Tonlithographien des steirischen Landschaftsmalers Josef Kuwasseg. Dieser hat die Lithografien um 1850 angefertigt. Der Nachdruck stammt von 1991. Zu sehen ist der steiermärkische Teil der Eisenbahnstrecke zwischen Wien und Triest.“, erzählt die Künstlerin. „Auch dies wiederum eine Anlehnung an den Optimismus im übertragenen Sinne, in Bezug auf ein verändertes Lebensgefühl in Folge technischer Erneuerungen.“, ergänzt Franze. „Und die Präparate aus dieser Arbeit ähneln einem Storyboard für das Video, das in der Apsis präsentiert wird. ‚Who’s Afraid of Flies, Flies and Flies’ inszeniert eine sich putzende Stubenfliege in Form einer kontrastreichen Schwarz-Weiß-Projektion als Triptychon. Es zeigt die Liebe der Künstlerin zum Detail und ihre Lust an der Beobachtung.“, schließt die Kuratorin, indem sie noch auf den von Gangl designten Eintrittsstempel hinweist, der das Motiv einer Fliege auf ihrem Handgelenk zeigt.

Sonja Gangl - I borrowed optimism from the past
01.02 - 18.06.2020

KM– Künstlerhaus Halle für Kunst & Medien
8010 Graz, Burgring 2
Tel: +43 316 740 084
Email: hd@km-k.at
http://www.km-k.at
Öffnungszeiten: Di-So11-17 h


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