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Hassan Sharif - I Am The Single Work Artist: Import-Export

Unter dem Titel „I Am The Single Work Artist“ werden in Berliner Kunstwerken jetzt Arbeiten von Hassan Sharif aus den Jahren 1973 - 2016 gezeigt. Den Anfang machen Sharifs frühe politische Cartoons und Selbstporträts. Der 2016 verstorbene Künstler aus den Arabischen Emiraten wurde danach als Autodidakt künstlerisch tätig und ging 1979 nach London, um dort zu studieren. Besonders die Ästhetik des Fluxus, Neuen Realismus und der Konzeptkunst beeinflussten ihn und so schuf er bald Arbeiten, die ebenfalls charakterisiert waren durch die Verwendung einfachster (Alltags)Materialien, die von ihm mit simplen, aber intelligent-reflektierten Eingriffen künstlerisch behandelt wurden. So wollte Sharif die Kunst einerseits demokratisieren und, wenn man so will, „Kunst für alle“ produzieren. Andererseits war es Sharifs Bestreben die Kunstszene seiner Heimat mit der Kunst der internationalen zeitgenössischen Szene in Kontakt zu bringen.

Beides wird deutlich in Arbeiten wie seinen wichtigen Performances in der Hatta-Wüste bei Dubai, in der Sharif nichts tat, als sich ohne Ziel und Zweck durch die Gegend zu bewegen, so etwa in „Jumping No. 2“, 1983, einer Performance, die in der Ausstellung mit Fotografien und Zeichnungen des Künstlers dokumentiert ist. Wichtig auch Sharifs zu Haufen angesammelten Alltagsgegenstände, etwa „Slippers and Wire“, 2009, eine Bodenarbeit, die aus mit Kupferdraht zusammengehaltenen Hausschuhen besteht, die als knallbunter Hügel im Basement der KunstWerke präsentiert sind. In dem gegenüber hängenden Wandbild „Broom“, 2016, tritt dann an die Stelle der scheinbar unstrukturierten Anhäufung das Prinzip der geometrischen Struktur. So fügen sich hier handelsübliche Strohbesen zu einem großformatigen abstrakten Bild, das sich aus unzähligen Dreiecken – die Form der Besen – zusammenfügt.

Selten erscheinen die „Vorbilder“ für Sharifs Kunst so deutlich wie bei seinem „Barrel“, 1985, ein Nachbau eines 159-Liter Ölfasses aus Papier, Pappe und Farbe. Solche rot-weißen Fässer werden nicht nur in den Arabischen Emiraten zur Sperrung von Straßen genutzt. Auch wenn Sharif in seine Arbeit empirische Untersuchungen zum Straßenverkehr konzeptionell eingearbeitet hat, so erinnert das auf den ersten Blick täuschend echt aussehende Objekt doch stark an die Kunst von Bertrand Lavier. Genau diese Nähe nun wirft zumindest eine Frage auf, nämlich die danach, ob Sharifs „treue Übersetzung“ der internationalen zeitgenössischen Kunst in den arabischen Kontext nicht letztlich doch in postkolonialen Zwängen steckenbleibt.

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Anmerkung der Redaktion: Die Ausstellung ist aufgrund der aktuellen Umstände im Zusammenhang mit dem COVID-19-Virus ab dem 14. März bis vorerst 19. April geschlossen.

Hassan Sharif - I Am The Single Work Artist
29.02 - 19.07.2020

KW Institute for Contemporary Art
10117 Berlin, Auguststraße 69
Tel: 0049 (0) 30. 24 34 59 0, Fax: 0049 (0) 30. 24 34 59 99
Email: info@kw-berlin.de
http://www.kw-berlin.de
Öffnungszeiten: Mi-Mo 11-19, Do 11-21 h


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