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Erster Possehl-Preis für Internationale Kunst an Doris Salcedo

Mit dem ab diesem Jahr erstmals vergebenen Possehl-Preis für Internationale Kunst zeichnet die Lübecker Possehl-Stiftung lebende Künstlerinnen und Künstler mit nationalem und internationalem Renommee für ihr Lebenswerk oder eine herausragende Arbeit beziehungsweise Werkgruppe aus. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre vergeben. Ebenfalls Teil des Preises ist die Ausrichtung einer Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen, Lübeck.

Als erste Preisträgerin hat die Jury (Stephan Berg, Intendant Kunstmuseum Bonn; Hannah Firth, Direktorin Chapter, Cardiff; Anette Hüsch, Direktorin Kunsthalle Kiel; Oliver Zybok, Direktor Overbeck-Gesellschaft, Lübeck) die 1958 in Kolumbien geborene Künstlerin Doris Salcedo gewählt.
Salcedo beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Aus-wirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt.

Wo Andere sich abwenden, beginnt Salcedos Arbeit: Mit großer Sensibilität thematisiert sie in ihren Skulpturen und Installationen die tragischen Folgen von Gewalt als Konsequenz politischer und ökonomischer Herrschaftsansprüche und führt dabei den Betrachter auf die emotionale Ebene der Opfer und ihrer An-gehörigen. Der seit fünf Jahrzehnten währende, bürgerkriegsähnliche Konflikt in ihrer Heimat Kolumbien ist Ausgangspunkt zahlreicher Projekte Salcedos. Ihre Kunstwerke sind Anti-Monumente, Zeugnisse von Folter, Verlust und Traumata. Dabei schafft die Künstlerin poetische Installationen und raumgreifende Arbeiten, die in ihrer Fragilität und Verletzlichkeit eben jenen Menschen eine spürbare Präsenz verleihen, die Brutalität und Ungerechtigkeit erfahren mussten oder nicht überlebten. Auf der 8. Biennale in Istanbul (2003) stapelte sie beispielsweise 1.500 Stühle in einem engen Spalt zwischen zwei Häusern in einem einst von Angehörigen der griechischen und jüdischen Minderheit bewohnten Stadtviertel. Den Umgang Europas mit Migrant*innen nahm sie 2007 in „Shibboleth“ in der Tate Modern in den Blick und hinterfragte mit einem langen und tiefen Riss im Betonboden der Turbinenhalle die Abschottungs- und Ausgrenzungsmechanismen der sogenannten ‚ersten Welt‘.

Die Künstlerin lebt in Bogotá, wo sie zuletzt ein „Anti-Monument“ aus einem Teil der rund 7.000 von den FARC-Rebellen abgegebenen Waffen erschaffen hat. Eingeschmolzen und in Zusammenarbeit mit weiblichen Gewaltopfern bearbeitet, dienen diese als Bodenplatten für ein neues Museum im Zentrum der Stadt, als Ort der Reflexion der langen Jahre gewalttätiger Konflikte in Kolumbien.

Ihre Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck wird am 7. September, dem Abend der Preisverleihung eröfnet und ist bis zum 3. November zu sehen.

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Abbildung: Foto: David Heald

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