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Ferdinand Kriwet 1942 - 2018

„Nichts gelernt, aber viel aufgeschnappt“ hätte er in seinen Jugendjahren, meinte der in Düsseldorf geborene Ferdinand Kriwet einmal. Seine Ausbildung hätte primär aus „Learning by doing by doing by doing...“ bestanden. Wobei er sein Ziel, Schriftsteller zu werden, mit einiger Konsequenz verfolgte, denn schon im Alter von 19 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch „Rotor“ im DuMont Verlag. Die Auseinandersetzung mit Schrift hat ihn sein ganzes Künstlerleben lang dann auch nicht mehr losgelassen, auch wenn er, der sich später nur noch KRIWET nannte, letztlich in der bildenden Kunst seine größten Erfolge feierte. Es sollten „poem paintings“, „buttons“, „Text-Segel“, „Text-Kuben“ folgen, stets endlos, fragmentarisch, dekonstruiert, zu Kreisen oder Spiralen angeordnet, als Berufsbezeichnung lautete der Vorschlag des Künstlers „Verwertungsgesellschaft Wort“.

Es waren die Zeiten von Zero in Düsseldorf, und KRIWET arbeitete fortan im Keller des Hauses, in dem die Protagonisten der Bewegung, Günther Uecker, Heinz Mack und Otto Piene ihre Ateliers hatten. Als ersterer auszog, übernahm der junge Künstler das Hochparterre und machte sich seine Gedanken zum Bedeutungsverlust des Buches als Informationsträger im Zeitalter der elektronischen Telekommunikation. „In der Konkurrenzsituation zu den Massenmedien hat die Literatur nur dann eine Chance, wenn sie deren Eigentümlichkeiten produktiv verwendet, wenn sie spezielle Texte oder Kompositionen für das Fernsehen, für den Film, für die Schallplatte, für das Buch, für das Theater entwirft. Solange sie sich hingegen als bloßer Stofflieferant anbiedert, bleibt sie hemmungslos rückständig“, wurde 1968 in einem Manifest formuliert. Wie er derlei für seine Arbeit nutzen wollte, zeigte KRIWET im Jahr darauf, als er sich mit einem Mitarbeiter, drei geliehenen Stereo-Reporter-Tonbandgeräten und ebenso vielen Fernseh- und Radiogeräten in einem New Yorker Hotel eingemietet hatte und am 21. Juli aufzeichnete, was von Apollo 11 aus dem Orbit so gesendet wurde. Daraus entstanden mit APOLLO AMERIKA – APOLLOVISION – APOLLO AMERIKA wiederum ein Hörtext, ein Film und ein Buch (edition suhrkamp 410, 1969), wodurch er neben seinen der Pop Art nahe stehenden Schrift-Arbeiten auch zu einem Pionier der Deutschen Medienkunst wurde.

KRIWET, eine feste Größe im Deutschen Kunstbetrieb, allerdings nur bis 1987, als sich der Künstler bis auf weiteres aus der Produktion ausklinkte. Das 1988 fertiggestellte, nur als Pixel wahrnehmbare Wappen von Nordrhein Westfalen im Düsseldorfer Landtag darf hier als Schlusspunkt gelten. Im Jahr 2007 meldete er sich dann mit der Produktion „Hörtexte“ zurück, drei LP-Picturediscs in denen er u.a. die Aufnahmen der Mondlandung nochmals verarbeitete und mehrere Radioarbeiten aus den 1970er Jahren wieder veröffentlichte. Hörtexte Zwei erschien im Jahr 2014 (beide in der Edition rz, Berlin).

2006 zeigte die Kunsthalle Wien eine kleine Ausstellung am Karlsplatz, 2011 hatte ihm die Kunsthalle Düsseldorf eine große Retrospektive gewidmet, die u.a. auch im Taxispalais Kunsthalle Tirol zu sehen war. 2017 präsentierte die Galerie Georg Kargl eine von Georg Jansen kuratierte museumswürdige Ausstellung im Rahmen von curated by_.
Am 17. Dezember ist Ferdinand Kriwet in Bremen gestorben.

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Abbildung via http://artype.de

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