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Karlheinz Essl schenkt seinen Anteil an der Sammlung Essl dem Staat Österreich

Nun als doch: Nach der Ankündigung im Februar 2017, die Albertina werde die Sammlung Essl als „Dauerleihgabe“ bis zum Jahr 2044 übernehmen, hat sich Karlheinz Essl nun dazu durchgerungen, den ihm verbliebenen Anteil an der Sammlung Essl der Republik Österreich bzw. der Albertina zum Geschenk zu machen.


Der Bekanntgabe der Übergabe waren einige Wochen der Sichtung und Aufteilung der einzelnen Kunstwerke der in der SE-Sammlung Essl GmbH noch vorhandenen Werke vorangegangen. 1.323 Kunstwerke (mit 2.134 Einzelobjekten) mit einem aktuellen Marktwert von 84 bis 91 Millionen Euro – so die aktualisierte Schätzung des Auktionshauses im Kinsky – gehen nun in den Bestand der Albertina über.


Die SE-Sammlung Essl GmbH war 2014 gegründet worden, um zumindest einen Kernbestand der Sammlung erhalten und trotzdem die Gläubiger des Baumax-Konzerns zufrieden stellen zu können. Insgesamt 117 Millionen Euro hatte Hans Peter Haselsteiner als Überbrückungskredit zur Verfügung gestellt und dafür 60% an der SE-Sammlung Essl GmbH und damit an der Sammlung Essl übernommen. 44 Kunstwerke wurden im Oktober 2014 bei Christie´s London versteigert und brachten damals 59 Millionen Euro ein. Damit sollten sowohl der Kredit zurückgezahlt als auch der Betrieb des Essl Museum gesichert werden. Im Jahr 2016 musste das Museum in Klosterneuburg dann doch geschlossen werden und dient seitdem nur noch als großzügiger Lagerplatz für die Sammlung. Im Frühjahr 2017 präsentierte der damalige Kulturminister Thomas Drozda dann die „Dauerleihgabe“ bis zum Jahr 2044, die allerdings aufgrund der relativ hohen Kosten von rund 30 Millionen Euro über die Laufzeit viel Kritik hervorrief. Thomas Drozda konnte die Vereinbarung aber in seiner Amtszeit nicht mehr finalisieren. Sein Nachfolger, Bundesminister Gernot Blümel mochte den Deal dann offenbar nicht einfach übernehmen, zumal in der Zwischenzeit der Industrielle und Kunstsammler Reinhold Würth 150 Werke aus der Sammlung Essl erworben hatte.


Für die nun erfolgte Schenkung wurde der verbliebene Sammlungsbestand Stück für Stück zwischen den Gesellschaftern der SE-Sammlung Essl GmbH, die zu 40% aus den Familienstiftungen von Karlheinz und Martin Essl und zu 60% die Haselsteiner-Familien-Privatstiftung besteht, aufgeteilt. Die gesamten verbliebenen Verbindlichkeiten übernimmt Haselsteiner, der dafür die Immobilien – also auch den Museumsbau in Klosterneuburg – erhält. Klosterneuburg bleibt auch Standort des Depots der Sammlung und wurde auf Kosten Haselsteiners soeben neu adaptiert. Haselsteiner, der ja derzeit das Künstlerhaus für rund 40 Millionen Euro saniert, wird mit seiner Künstlerhaus Besitz- und Betirebsgesellschaft auch die Betriebs- und Personalkosten für die Präsentation der Sammlung Essl im Künstlerhaus tragen. Sein Anteil an der Sammlung Essl wird der Albertina als Leihgabe für Ausstellungen zur Verfügung stehen.


Die Albertina erhält für die Erhaltung und die wissenschaftliche Bearbeitung der Schenkung im Jahr 2018 noch 800.000 Euro und im Jahr 2019 zusätzliche 850.000 Euro aus dem Kulturbudget des Bundes. Weitere, für den Ausstellungsbetrieb des Künstlerhauses nötige Subventionen werden noch verhandelt.


Karlheinz Essl, dem der Schmerz über den Verlust seiner Sammlung bei der Präsentation deutlich anzusehen war, zeigte sich froh, dass zumindest sein ihm verbliebener Anteil der Sammlung nun dauerhaft gesichert sei. An Konzepten der zukünftigen Nutzung des Museumsbaus in Klosterneuburg werde nun ebenfalls gearbeitet, als „Essl Museum“ könne das Gebäude nun aber nicht mehr weiter bestehen.


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Abbildung: BM Gernot Blümel, Karlheinz Essl, Klaus Albrecht Schröder

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