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Aachener Kunstpreis 2018 geht an Walid Raad

Der mit 10.000 Euro dotierte Aachener Kunstpreis wird alle zwei Jahre an einen Künstler oder eine Künstlerin verliehen, dessen bzw. deren Werk der internationalen Kunstszene nachhaltige Impulse gibt. Der Preis beinhaltet eine Einzelausstellung im Ludwig Forum für Internationale Kunst, die 2019 von Walid Raad realisiert wird.


Begründung der Jury
„Mit Walid Raad zeichnet die Jury einen Künstler aus, dessen Praxis für eine deutliche Erweiterung des Kanons der Kunst über Europa und die USA hinaus steht. Das mehrjährige Projekt des Künstlers mit dem Titel "The Atlas Group" lenkte den Blick nicht nur auf die verworrene Geschichte des Nahen Ostens, sondern stellte zudem wichtige Fragen über das Verhältnis von Fakten und Fiktion in historischen Narrativen. Die Arbeiten Walid Raads überzeugen gleichermaßen durch ästhetische Präzision und durch ihre hohe Dichte an konzeptionellen Verweisen, weshalb die Jury mit ihm eine ausgezeichneten Persönlichkeit für den diesjährigen Aachener Kunstpreis gefunden hat.“


Walid Raads OEuvre besteht im Wesentlichen aus drei großen Werkkomplexen: „The Atlas Group“ (1989-2004), „Scratching on things I could disavow“ (2007 – heute) und „Sweet Talk: Kommissionen“ (1987– heute).


„The Atlas Group“ besteht aus einem künstlerischen Archiv von Notizbüchern, Filmen, Videos und Fotografien, die sich auf die Ereignisse rund um die Kriege in seiner Heimat Libanon konzentrieren, die Raad 1983 verließ. Raad hat eine Reihe von Dokumenten erstellt, welche die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des Schreibens, Dokumentierens und Erinnerns an die Geschichte von Ereignissen extremer Gewalt ausloten. Sein Archiv umfasst sowohl imaginäre als auch historische Personen, Situationen und Artefakte.


„Scratching on things I could disavow“ besteht aus einer Reihe von Skulpturen, Fotografien, Installationen, Videos und Performances, die der Entstehung neuer Geschichten, Ökonomien, Institutionen und Sammlungen rund um die „arabische Kunst“ gewidmet sind. Raad geht von der Entstehung großer neuer Museen in Abu Dhabi, Doha, Beirut und anderswo im Nahen Osten aus, um zu untersuchen, wie Kunstwerke materiell, aber auch immateriell von den Kriegen betroffen sind, die die Region in den letzten Jahrzehnten heimgesucht haben.


„Sweet Talk: Aufträge“, war Raads längstes Kunstprojekt. Es besteht aus Tausenden von Fotografien, die Raad seit 1987 in Beirut produziert hat. Nach weiteren ausführlichen Dokumentarfilmen wie Walker Evans in den USA, Bernd und Hilla Bacher in Deutschland oder Auguste Atget in Paris folgen Raads Arbeiten Beiruts sich ständig verändernde Landschaft während der heißen und kalten Kriege.


Die künstlerischen Wurzeln von Walid Raads Kunstprojekten sind mit westlicher Konzeptkunst und postkonzeptionellen Praktiken wie denen von Hannah Höch, Hans Haacke, Sherrie Levine, Joseph Beuys und anderen verbunden. Seine Performance-Arbeiten spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Genres der Lecture-Performance.


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Abbildung: Walid Raad
Better Be Watching the Clouds, 2017
Ausstellungsansicht Sfeir-Semler Gallery Beirut

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