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Georg Kargl 1955 – 2018

... und plötzlich tut sich da eine Lücke auf, die sich nicht mehr schließen wird


Begonnen hatte Georg Kargl seine Ausbildung im Baugewerbe, im Betrieb seiner Eltern. Danach widmete er sich der angewandten Kunst und gründet gemeinsam mit Christian Meyer in Wien die Galerie Metropol in der Dorotheergasse. Die Konzentration der Kunsthandlung lag zu Beginn auf dem Jungendstil, konnte den damals beginnenden Boom von Wien um 1900 für sich nutzen und bis nach New York expandieren. Ab 1989 initiierte und organisierte die Galerie die bis heute noch legendären Ausstellung „Freizone Dorotheergasse“, die in Wien erstmals vorexerzierte, was Kunst im öffentlichen Raum zu leisten vermag. Damit kam dann die Konzentration auf zeitgenössische Kunst. Mit Ausstellungen von KünstlerInnen wie Andrea Fraser, Rosemarie Trockel, Bruce Nauman oder Christian Philipp Müller brachte die Galerie Metropol Bewegung in die damals noch kleine Wiener Galerienszene. Im Jahr 1998 wurde die Zusammenarbeit beendet, Christian Meyer eröffnete mit Renate Kainer die gemeinsame Galerie in der Eschenbachgasse und Georg Kargl setzte mit seiner eigenen Galerie in der Schleifmühlgasse die Initialzündung für den Aufstieg des Freihausviertels zum Kunstviertel.


Als wacher Beobachter nicht nur in der Kunst, hatte er schon damals die Notwendigkeit der nachbarschaftlichen Kooperation und der Mitgestaltung des Umfelds für eine erfolgreiche Galerienarbeit erkannt und konnte die Kolleginnen Christine König und Gabriele Senn überzeugen, ebenfalls ihre Galerien in die Schleifmühlgasse zu verlegen. Kerstin Engholm kam hinzu, später auch Andreas Huber – beide heute wieder geschlossen – und weitere folgten. Es ist müßig die vielen Ausstellungen der Galerie Georg Kargl Fine Arts hier nachzuerzählen – es waren viele, und davon vor allem viele Gruppenausstellungen, die Kargl mit großem Gespür für und Respekt vor der Kunst zusammenstellte. Da zeigte sich seine Lust und die Fähigkeit, Werke in Sammlungen aufzuspüren und zu Themen zu gruppieren, die jedem Museum gut angestanden wären. Im Jahr 2017, einem Jahr in dem viele GaleristInnen international ihre Stellung in der Kunstszene und im immer kompetitiver werdenden Kunstmarkt hinterfragten, wollte auch Georg Kargl mit der Gründung der „Gesellschaft für projektive Ästhetik“ aus dem Karussell der raschen Abfolge von Ausstellungen und Messebeteiligungen aussteigen und die Vermittlung, Diskurs und die Diskussion wieder in den Mittelpunkt der Galeriearbeit legen.


Man konnte Georg Kargl schnell als „Wiener Grantler“ missverstehen. Nur wenig schien ihm eines positiven Kommentars wert zu sein. Sein Sarkasmus, gepaart mit ehrlicher Meinung war oft nicht leicht zu nehmen. Immer legte er Finger in Wunden, verlangte von seinem Gegenüber im Gespräch, seinen KollegInnen, der Kunstszene generell genaues Hinschauen, Erkennen, Analysieren und Handeln. Im Unterschied zu Vielen trat er aber engagiert auf, wenn er etwas für gut befunden hatte, unterstützte und war mit Rat und Ideen freigiebig. Mit seinem trotz langer Krankheit letztendlich überraschenden Tod verliert die Kunstszene einen kritischen und bis zuletzt innovativen Galeristen, Mentor und Querdenker.

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