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Marina Abramović - Two Hearts: Hingabe und Herrschaft

Was wird hier nicht gelitten! Das menschliche Leben und die weibliche Identität werden performativ und fotografisch auf die Spitze getrieben. Kunsthistorische und kriegerische Posen werden eingenommen und neu interpretiert.
Die Rede ist von der jüngsten Werkschau der serbischen Künstlerin Marina Abramović, die derzeit unter dem Titel „Two Hearts“ in der Wiener Galerie Krinzinger zu sehen ist. 


Abramović, polyglotter Weltstar, der hauptsächlich durch seine spektakulären Performances seit den 70er Jahren berühmt wurde, zeigt hier in Wien überwiegend fotografische Serien.


In den ersten Räumen der Galerie sind unter dem Titel „Study for a Monument“ mehrere Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen. Darin nimmt die Künstlerin unterschiedliche monumentale Posen von Rednern oder figurativen Denkmälern es. Diese Agitation fußt in Abramović`s Herkunft und Geschichte. 1946 in Belgrad geboren, wuchs Sie als Kind erfolgreicher Tito-Partisanen auf. Ihr Vater war ein Volksheld, ihre Mutter Majorin in der Armee später Direktorin des Museums für Revolution und Kunst in Belgrad. Mit den Idealen des Sozialismus aufgewachsen bekam Sie Werte vermittelt, für die es sich scheinbar zu kämpfen lohnte. Nach ihrem Studium zog die junge Künstlerin mit diesem Gepäck in die Welt hinaus. Ihre ersten Performances gestaltete Sie mit ihrem Partner Ulay. Gemeinsam arbeiteten sie bis 1988.


Ihre Wurzeln im Balkan und die Trauer über die dortigen kriegerischen Auseinandersetzungen in den 90er-Jahren kamen mit voller Wucht in ihrer Performance „Balkan Baroque“ von 1997 bei der Biennale di Venezia zum Tragen. Dort bürstete sie vier Tage lang Fleisch von frischen Rinderknochen und sang dazu jugoslawische Klagelieder. Die Trauer um den Verlust des Staates, dem Ende der Zusammengehörigkeit der Balkanvölker und die Trauer um die Toten konnten kaum sinnlicher vermittelt werden.


Hier in Wien bei Ursula Krinzinger geht es weniger um Weltpolitik als um die Person Abramović. Ihre weibliche Identität, das Altern des Körpers, die Last der unterschiedlichen Generationen sind kunstvoll in Szene gesetzt: Zu sehen in den drei Leuchtkästen mit dem Titel „Carry Elvira“ und „Stromboli Pieta“. Abramvoic trägt dabei eine ältere Frau und hält ihren Körper wie in einer Pieta vor dem Vulkan Stromboli. Die Arbeiten sind monumental vor dem Feuer speienden Vulkan inszeniert. Man erinnert sich an die Flucht des Aeneas aus Troja, der den alten Anchises auf seinem Rücken trägt. Auch der 1950 entstandene Film „Stromboli“ von Roberto Rossellini ist eine mögliche Assozitiation. In diesem Film gilt es für eine junge Frau den von Abramović ins Bild gerückten Vulkan zu überwinden. Es ist ein Fluchtversuch aus einer rückständigen Fischergemeinschaft, der letztlich scheitert.


Abramović, schöpfte in ihren Performances ihre eigenen Kapazitäten oft bis zur Neige aus. 2010 saß sie, in der MoMa Performance „The Artist is Present“,700 Stunden an einem Tisch und jeder konnte ihr gegenüber Platz nehmen. Hier in der Galerie Krinzinger bewegt sich Abramović teilweise weg von dieser starken Rolle der Selbstaufopferung.


Genauer betrachtet sind es zwei weibliche Ebenen die in den Serie „Miracle“ zum Ausdruck kommen. In dem weiß der Leuchtkästen scheint eine Frau in der Waagrechten zu schweben während Arbramovic wie eine Schamanin gekleidet neben ihr steht.
Die Frau als Objekt und die Frau als Schamanin, als Hohepriesterin und Täterin werden hier thematisiert. Abramović bewegt sich in einem Dualismus, den der Ausstellungstitel mit „Two Hearts“ auch anklingen lässt.


Die Frage die die Ausstellung bei Ursula Krinzinger stellt, ist was beschäftigt heute eine mittlerweile 72-jährige Künstlerin, die zum Weltstar aufstieg, jenseits der großen Themen? Die Antworten liegen nicht zuletzt im Auge des Betrachters.

Marina Abramović - Two Hearts
27.04 - 22.06.2018

Galerie Krinzinger
1010 Wien, Seilerstätte 16
Tel: +43 1 513 30 06, Fax: +43 1 513 30 06 33
Email: krinzinger@galerie-krinzinger.at
http://www.galerie-krinzinger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18, Sa 11-14 h


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