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Zukunftsfit

Wahlprogramme zu lesen kann erheitern und erstaunen. Überhaupt dort, wo es um die Kultur geht: Allerorten beteuert man die Bedeutung der Kunst, schwadroniert von der Kulturnation Österreich, will, als hätte man die vergangenen Jahrzehnte Kunst verschlafen, die Grenzen zwischen High und Low aufgehoben wissen. Zumindest wird dieses Ansinnen im Programm der Liste Kurz formuliert, aus dem auch einer meiner Lieblingssätze stammt. Die Ausgliederung der Bundesmuseen, heißt es da, habe leider nur wenige Synergien „im administrativen Bereich“ mit sich gebracht. Und: „Wir sollten weiter evaluieren, ob es nicht doch Sinn machen würde, gewisse administrative Aufgaben der Bundesmuseen weiter zu bündeln.“ Genau! Evaluieren wir noch ein bisschen weiter, es wurde ja erst so wenig evaluiert. Und dann kann gebündelt werden, was das Zeug hält: Zum Beispiel könnte sich das KHM die Personalverrechnung mit dem Belvedere teilen. Vielleicht gibt es auch eine Sekretärin, die gleichzeitig für Klaus Albrecht Schröder und Johanna Rachinger arbeiten kann. Und warum nicht eine Publikationsabteilung für alle Häuser? Möglicherweise lässt sich damit sogar eine halbe Stelle einsparen. Immense Summen!


In Oberösterreich macht Schwarz-Blau schon Nägel mit Köpfen. „Es laufen derzeit Gespräche über eine Neuaufstellung, um das Kulturland Oberösterreich zukunftsfit zu machen. Ziel ist es, Synergien zu heben, Zweigleisigkeiten in der Verwaltung abzustellen und mehr Publikumszuspruch zu erlangen“, sagt der Landeshauptmann. Sammlungen des Landes sollen offenbar mit jenen der Stadt „zusammengeführt“ werden – was bestimmt ungefähr gratis zu haben ist –, und die Landesgalerie in das Landesmuseum „übersiedeln“. Also de facto zugedreht werden. Der Kulturetat 2018 muss offenbar drastisch gesenkt werden. Egal, ob die Steuereinnahmen voraussichtlich ebenso sprudeln wie dieses Jahr.


Hat sich einer dieser zukunftsfitten Sparmeister schon einmal überlegt, wie viel wir in Österreich für die – tatsächlich ja nicht so hohen Ausgaben – erhalten? Nicht dank irgendeiner hellsichtigen Politik, sondern schlicht, weil sich viele im Kulturbetrieb Tag für Tag abrackern bis an den Rand ihrer Kräfte. Und zwar meist für ein Einkommen, das jeden Hinterbänkler im Parlament in schallendes Gelächter ausbrechen lässt. Anstatt sich bei ihnen zu bedanken, kommt man ihnen mit Synergien, die keine sind.


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Foto: Landesgalerie Linz © OÖ Landesmuseum

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